|

|
Kaddour el Karrouch:
DER
LÜGENDE HUND
Geschichten eines Nordafrikaners in Deutschland.
EDITION
VERTRAUTER UMGANG BD. 1
160 Seiten, Br.,
EU 12,00 /
ISBN 3-927606-29-4
NEU NEU
NEU
----------------------------------------------------------------------------------
Vom frischgebackenen
Koranlehrer in einem kleinen Dorf an der Nordküste
Marokkos zum Straßenbauarbeiter einer deutschen Stadt
- aus dem spannungsgeladenen Kontrast dieses Weges speisen
sich feinfühlig erzählte Geschichten, die uns
nicht bloß den umwerfenden Humor Allâhs
bezeugen, sondern auch verstehen lassen, daß
vertrauter Umgang mit Fremden, die Gott gehorsam sind, zu
den schönsten Dingen zählen können, wenn man
einer der Menschen ist.
-----------------------------------------------------------------------------------
Vorwort des Verlages
zur neuen "Edition
Vertrauter Umgang"
Wer vor dem Hintergrund altbekannter
Fragen von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auf der Welt
und unter dem nachhaltigen Eindruck bestürzender
Ereignisse des 11. Septembers seinen Blick aus Angst vor dem
zu Sehenden vielleicht abwenden möchte, dem sei
geraten, es doch einmal mit dem Gegenteil zu versuchen und
genauer hinzusehen. Denn ungeahnte Dinge voller
Schönheit könnten ihn dann
überraschen.
Da mühen sich offizielle Verteter
der Muslime, der Christen und der Juden in Verbindung mit
solchen anderer Teile der Gesellschaft und des Staates um
eine Haltung der Toleranz dem jeweils Fremden
gegenüber. Und eine in den Sälen maßvoll bis
trotzig beklatschte Propaganda läßt vergessen,
wie mickrig solche Duldsamkeit indes doch ist, wird sie
geschärften Blicks an dem gemessen, was möglich
ist und gut und wahr und schön.
Daß der Fremde nicht bloß
geduldet, sondern als besondere Erquickung genossen zu
werden verdient, der vertraute Umgang mit ihm als eigene
Köstlichkeit zu den schönsten Dingen zählte,
die dem Bewohner dieses Planeten vergönnt sein
möchten, dies ist eine Einsicht, zu deren Gewinnung wir
schon eines ausgewachsenen Engels zu bedürfen
scheinen.
So wird vom Gesandten Allahs -
möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken -
berichtet, daß er sagte: Drei Dinge sind mir
lieb von dieser, eurer Welt: Die Wohlgerüche und die
Frauen; und den Trost meiner Augen finde ich im Gebet!" Und
seine Gefährten, die bei ihm saßen, Abu Bakr
as-Siddiq, Umar, Uthman, Ali &endash; möge Allah der
Erhabene mit ihnen zufrieden sein &endash; zählten
ebenso, einer nach dem anderen, die drei Dinge auf, die
ihnen lieb wären von dieser Welt. Da erschien unter
ihnen Jibra'il - Friede sei über ihm - und sprach:
Allah der Segensreiche und Erhabene hat mich gesandt,
als Er eure Worte vernahm, und Er befiehlt dir, mich zu
fragen, was mir lieb wäre von dieser Welt, wenn ich
einer ihrer Bewohner wäre!" Da fragte er ihn: Was
wäre dir lieb, wenn du einer der Bewohner dieser Welt
wärest?" Und er antwortete: Die Irregehenden
rechtzuleiten, der vertraute Umgang mit Fremden, die Gott
gehorsam sind, und kinderreichen Familien in Bedrängnis
beizustehen!"*
Dessen eingedenk, daß Gabriel,
auf dem der Friede sei, den vertrauten Umgang mit
Fremden, die Gott gehorsam sind", unter die ihm liebsten
Dinge zählte, so er unsere Welt bewohnte, stellen wir
die hiermit eröffnete Buchreihe unter den Titel einer
"Edition Vertrauter Umgang". Und wir bitten unseren
Herrn um Schutz und Segen. Vertrauter Umgang mit Fremden
verdiente es, jene offiziell so hochgelobte Toleranz zu
ersetzen, der als Ausdruck herben Mangels in bloßer
Abwesenheit von Schmerz doch jedes Positive, jede Spur von
Liebe und alles Schöne fehlt.
Kaddour El Karrouch, der aus dem
Maghreb stammt, verspricht, uns bei der Lektüre einer
hinreißend erzählten Geschichte seines von zwei
Welten befruchteten Lebens jenes vom Engel so
geschätzten Glücks teilhaftig werden zu lassen.
Wir freuen uns, mit seinem Buch die neue Reihe zu
eröffnen. Und wir danken Scheich Bashîr Ahmed aus
Bonn, der uns auf ihn aufmerksam gemacht hat.
Kandern im Schwarzwald
Salîm Spohr
im Muharram 1424 / März
2003
* Aus den Munabbihat
(Hinweisen zur Erweckung") des Schihabud-din Ibn Hajar
al-Asqalani (gest. 852 n. d. Hidschra), des wohl
berühmtesten Hadith-Gelehrten seiner Zeit, Verfasser
des bekannten Kommentars Fath ul-Bari zur
Sahih-Hadith-Sammlung des Imam al-Bukhari.
Bemerkung des Autors
Woher sollte man in den 70er Jahren
wissen, daß sich der Arbeitsuchende aus Nordafrika
hier so lange aufhalten, später in Deutschland
Gebetsräume eröffnen und am Opferfest tausend
Lämmer nach islamischen Regeln schlachten würde?
Woher?
Die freundlichen Deutschen nannten uns
damals höflicherweise Gastarbeiter", von denen
man annahm, daß sie sich wegen des Geldverdienstes
für eine absehbare Zeit hier aufhalten und irgendwann
wieder von ganz allein wegziehen würden. Über die
Gastfreundschaft würden sie dann viel Gold und
Honig" erzählen. Erst als diese Erwartung eine andere
Wendung genommen hatte, entschied man sich hier für
eine passendere Höflichkeitsform: für den
ausländischen Arbeitnehmer", da eine
Rückkehr in das Heimatland unwahrscheinlich wurde. Und
wenn man heute noch einmal hinhört, erklingt der noch
lockerere Begriff: ausländischer Mitbürger".
Diesem jedoch liegen zwei Gegenteile zu Grunde, nach denen
ich eingeordnet werde: Ausländischer", der erste
Teil, bin ich, ein Marokkaner. Und der zweite Teil,
Mitbürger", bin ich mit meinem Leben in
Deutschland. So kommt es, daß sich in mir inzwischen
zwei ganz unterschiedliche Personen verbergen, die
miteinander noch lange zu verhandeln haben. Je mehr ich zur
Seite des einen rücke, desto größer wird der
Abstand zum anderen. Und was den Verhandlungen zwischen mir
und mir zu Grunde liegt, betrifft die Themen Integration,
Anpassung, strenger Glaube, Ausländerhaß,
Jugendkriminalität und marokkanische Schulkinder in
Deutschland.
Das ist mein Anliegen, aus diesem
Grund möchte ich als ausländischer
Mitbürger" versuchen, eine zweiteilige Geschichte
über meine Person mit meinen Deutschkenntnissen
zusammenzufassen. Im ersten Teil möchte ich allen
Leserinnen und Lesern die Jahre bis zu meinem 21. Lebensjahr
in der Nähe von Nador in Nordmarokko in meiner
berberischen kinderreichen Familie vorstellen.
Natürlich gibt es andere Marokkaner, die ähnlich
wie Europäer erzogen wurden; diese will ich nicht in
meine Geschichte mit einschließen. Der zweite Teil ist
dem Leben 24 Jahre im zivilisierten Deutschland"
gewidmet. Dabei hoffe ich, dem/der verehrte(n) Leser(in)
etwas Originelles vorzustellen. Ich wünsche ihnen eine
angenehme Zeit mit meiner Geschichte vom berberischen
Hudscha, Korangelehrten, aus dem eines Tages in einem
fremden Land, wo alles anders ist, ein
Straßenbauarbeiter wurde.
Die folgende Geschichte habe ich mit
meinen Möglichkeiten und Kenntnissen der deutschen
Sprache geschrieben. Um bestimmte Zeiträume oder
Strecken näherzubringen, erlaube ich mir, von Stunden,
Minuten, Kilometern oder Metern zu sprechen. Alle Namen sind
erfunden. Mit ich" meine ich meistens mich selbst, in
wenigen Ausnahmefällen nur den Marokkaner. Über
eine Reaktion der Leserschaft würde ich mich
freuen.
Monheim im Mharram
des Jahres 1424 / März 2003 Kaddour
El Karrouch
|